Snapdragon 8 Gen 4 gegen Dimensity 9400 — eine SoC-Schlacht auf 3 Nanometern
Qualcomm und MediaTek liefern für die 2025/2026er Flagship-Generation zwei Architekturen, die beide bei TSMC im 3-nm-Prozess gefertigt werden — und sich dennoch in CPU-Auslegung, GPU-Treiberreife und Modem-Integration deutlich unterscheiden. Eine Bilanz aus den ersten Monaten der Geräte am Markt.
Die SoC-Generation, die seit dem späten Herbst 2024 in die Flagship-Smartphones eingebaut wird, ist die erste, in der die beiden großen Android-Lieferanten Qualcomm und MediaTek beide bei TSMC auf demselben 3-nm-Prozess (N3E) produzieren lassen. Damit ist das wichtigste Vergleichshandicap der vergangenen Generationen weggefallen — Samsung war mit dem 4-nm-Prozess seines eigenen Foundry-Arms regelmäßig im Nachteil, was sich in der thermischen Bilanz und in der Spitzentaktbarkeit der Snapdragon-8-Gen-1- und -Gen-2-Chips niedergeschlagen hatte. Wer 2026 ein Flagship mit Snapdragon 8 Gen 4 oder Dimensity 9400 in der Hand hält, kann das Duell auf Architekturebene führen, ohne die Foundry-Story als Erklärbar-Macher heranzuziehen.
Die kurze Bilanz nach einem halben Jahr Praxis: Beide SoCs sind so dicht beieinander, dass die Wahl zwischen ihnen weniger eine Frage der reinen Leistung als eine Frage der Geräteumsetzung ist. Welches Kühlsystem hat der Hersteller verbaut, welcher Treiber-Software pflegt die GPU, wie ist das Modem in das Antennen-Layout integriert. Die Tabelle der theoretischen Werte zeigt zwei Chips, die sich auf weniger als zehn Prozent annähern; die Praxis-Bilanz zeigt zwei Geräte-Familien, die sich in der Tagesnutzung anders verhalten.
Die CPU-Architekturen: Oryon-2 gegen Cortex-X5-Mix
Qualcomm hat mit dem Snapdragon 8 Gen 4 die zweite Generation seiner eigenen Oryon-CPU-Cores eingeführt — die Architektur, die aus der Nuvia-Übernahme 2021 hervorgegangen ist und erstmals im Snapdragon X Elite für Windows-on-ARM und dann im Snapdragon 8 Elite (technisch Generation 4, aber von Qualcomm bewusst aus der Gen-Nomenklatur herausgenommen) in den mobilen Markt eingeführt wurde. Die Oryon-2-Architektur des aktuellen Top-SoC verzichtet auf die klassische Big-Little-Trennung der ARM-Referenz-Cores und setzt stattdessen auf zwei Cluster: zwei Prime-Cores mit bis zu 4,32 GHz und sechs Performance-Cores mit bis zu 3,53 GHz. Stromsparende Effizienz-Cores im klassischen Sinne entfallen — das Energie-Management wird durch DVFS (Dynamic Voltage and Frequency Scaling) und durch das aggressive Power-Gating einzelner Core-Pipelines realisiert.
MediaTek bleibt im Dimensity 9400 beim ARM-Referenzpfad: ein Cortex-X5 Prime-Core mit bis zu 3,63 GHz, drei Cortex-X4 Performance-Cores, vier Cortex-A720 Effizienz-Cores. Die Achter-Konfiguration ist klassisch, das Big-Little-Schema explizit. ARM hat mit dem X5 die IPC (Instruktionen pro Takt) gegenüber dem X4 um die in den Marketing-Folien genannten Werte angehoben — in unabhängigen Messungen liegen die Single-Core-Werte des X5 etwa auf Augenhöhe mit den Oryon-2-Prime-Cores.
Praktisch sehen die Single-Core-Benchmarks beide SoCs in einem Korridor zwischen 3.000 und 3.200 Punkten in Geekbench 6. Der Multi-Core-Vergleich kippt leicht zugunsten von Qualcomm — die Oryon-2-Cluster-Architektur skaliert in der Spitze besser, weil die Performance-Cores schlicht höhere Taktraten halten als der ARM-A720. In Spitzenwerten sind 9.500 bis 10.000 Punkte für den Snapdragon 8 Gen 4 die Regel, beim Dimensity 9400 liegen die Werte typischerweise zwischen 8.800 und 9.300.
Diese Vorsprünge schmelzen unter Sustained Load. Wer ein modernes Open-World-Spiel über zwanzig Minuten spielt, sieht beide Chips bei etwa 70 bis 80 Prozent ihrer Peak-Leistung einpendeln. Die Differenz zwischen beiden ist dann in der Regel unter 5 Prozent.
Die GPUs: Adreno 830 gegen Mali-G925 Immortalis
Auf der GPU-Seite ist der Architekturgraben deutlicher. Qualcomms Adreno 830 ist die direkte Weiterentwicklung der Adreno-700-Serie und setzt das eigene Treiber- und Compiler-Konzept fort, das sich in den vergangenen Jahren als eine der robustesten GPU-Pipelines im Android-Ökosystem etabliert hat. Die Adreno-Treiber sind die einzigen Android-GPU-Treiber, die regelmäßig in einer Form gepflegt werden, die dem Desktop-Standard nahekommt — mit Quartals-Updates, mit dedizierten Spiele-Optimierungen, mit einem brauchbaren Vulkan-1.3-Pfad.
MediaTeks Mali-G925 Immortalis ist die aktuelle Top-GPU aus dem ARM-Referenzdesign, in der zwölfcorigen Variante eingesetzt. Die Architektur hat in Roh-Compute-Werten gegenüber dem Vorgänger spürbar zugelegt, die Treiber-Reife bleibt jedoch hinter Qualcomm zurück. Vulkan-Performance ist auf MediaTek-SoCs weiterhin Spiele-spezifisch — wo Adreno einen stabilen Frametime-Verlauf liefert, sehen wir bei Mali-G925 in den ersten Geräten am Markt regelmäßige Mikro-Ruckler, die nicht aus der reinen Rohleistung erklärbar sind, sondern aus dem Treiber-Stack.
In synthetischen Benchmarks wie 3DMark Wild Life Extreme liegen beide GPUs in der Spitze nahezu gleichauf — beide Chips landen zwischen 6.500 und 6.800 Punkten. In Sustained-Tests, die über zwanzig Loops gerechnet werden, kippt das Bild zugunsten von Adreno: Die Stability-Werte liegen für den Snapdragon 8 Gen 4 regelmäßig über 70 Prozent, beim Dimensity 9400 zwischen 55 und 65 Prozent. Das ist weniger eine Frage der GPU selbst als eine Frage der thermischen Auslegung und des Energie-Budgets, das die Hersteller für die GPU freigeben — in beiden Fällen ein Geräte-Parameter, kein SoC-Parameter.
Die Modem-Generation: integriert gegen extern
Hier liegt einer der unterschätzten Architekturunterschiede. Qualcomm integriert das Snapdragon X80 5G-Modem direkt auf dem SoC-Die. Das spart Platz auf der Platine, reduziert die Latenz zwischen Application Processor und Modem und erlaubt ein gemeinsames Power-Management. Das X80 unterstützt 5G-Sub-6 und 5G-mmWave (für die US- und einige asiatische Märkte relevant, für DACH praktisch ohne Bedeutung), Wi-Fi 7 nach IEEE 802.11be und Bluetooth 5.4.
MediaTek setzt im Dimensity 9400 auf das eigene T900-Modem, das als getrennte Komponente in das SoC-Package integriert ist. Die Konnektivitäts-Spezifikationen sind im Wesentlichen vergleichbar — 5G-Sub-6 wird unterstützt, mmWave fehlt in der Hauptlinie, Wi-Fi 7 ist Standard. Die praktischen Unterschiede zeigen sich im Tiefenstrom-Verhalten: Die getrennte Modem-Architektur erlaubt MediaTek, das Modem in Standby-Phasen schärfer abzuschalten — in Geräten mit Dimensity 9400 sehen wir typischerweise um 10 bis 15 Prozent niedrigere Standby-Drain-Werte als in vergleichbaren Snapdragon-Geräten.
In aktiven Mobilfunk-Szenarien, etwa bei einer längeren Auto- oder Bahnfahrt mit häufigen Zellwechseln, kehrt sich das Bild um. Qualcomms integrierte Architektur reagiert schneller auf Handover-Ereignisse und hält die Latenz unter Last konstanter. Wer regelmäßig in der DB unterwegs ist und auf 5G-Verbindungen mit niedriger Latenz angewiesen ist, hat mit dem Snapdragon-Modem die robustere Lösung.
Energie-Effizienz unter realer Last
Die Marketing-Folien beider Hersteller versprechen jeweils 30 bis 40 Prozent bessere Effizienz gegenüber den Vorgängern. Das ist die übliche Generationensprung-Botschaft, die kaum noch jemand für bare Münze nimmt. Belastbar ist der Vergleich auf der Basis konkreter Workloads.
In gemischten Tagesnutzungs-Szenarien (Web-Browsing, Social Media, Messaging, gelegentliches Video, kein Spiel) sehen beide SoCs Akkulaufzeiten, die für ein Flagship mit 5.000-mAh-Zelle einen vollen Tag aktiver Nutzung ermöglichen — typischerweise zwischen sieben und neun Stunden Display-On-Time. Die Differenz zwischen beiden Plattformen liegt in dieser Nutzungsklasse unter zehn Prozent und ist von Gerät zu Gerät durch die Software-Optimierung des Herstellers deutlich stärker beeinflusst als durch den SoC selbst.
Unter Spiele-Last und unter Kamera-Last (insbesondere Video-Aufnahme in 4K 60 fps mit aktivem HDR-Tone-Mapping) wird der Unterschied deutlicher. Hier liegt der Snapdragon 8 Gen 4 in den meisten Messungen vorn — Watt pro Frame ist beim Adreno-Stack günstiger als beim Mali-Stack, der ISP (Image Signal Processor) des Snapdragon ist auf 4K-Video-Encoding besser ausoptimiert. Praktisch heißt das: Wer sein Smartphone primär als Kamera nutzt und regelmäßig Videos in 4K aufnimmt, bekommt mit der Qualcomm-Plattform die längere Aufnahmezeit pro Akkuladung.
Die NPU-Frage: Apple A18 Pro als Referenzpunkt
Beide SoCs verfügen über dedizierte Neural Processing Units, die für On-Device-KI-Inferenz ausgelegt sind. Qualcomms Hexagon NPU im Snapdragon 8 Gen 4 erreicht etwa 80 TOPS (Tera-Operations Per Second) in INT8, MediaTeks APU 890 im Dimensity 9400 liegt mit knapp 60 TOPS dahinter. Beide Werte sind für die typischen On-Device-Anwendungen — Bildverbesserung, Übersetzung, Spracherkennung, einfache LLM-Inferenz — vollkommen ausreichend.
Zum Vergleich: Apples A18 Pro im iPhone 16 Pro, ebenfalls bei TSMC im 3-nm-Prozess gefertigt, gibt seinen Neural Engine mit 35 TOPS an. Die niedrigere Zahl ist nicht direkt vergleichbar — Apples Architektur misst anders, und die enge Integration zwischen Neural Engine und dem restlichen SoC liefert in der Praxis Inferenz-Latenzen, die mit den höher beworbenen Android-Werten konkurrieren können. Wer aus dem Apple-Lager kommt und wegen der KI-Features auf Android wechselt, wird in beiden Plattformen eine Hardware finden, die die Marketing-Versprechen halbwegs einlöst — die Bottleneck-Frage liegt 2026 nicht in der NPU-Hardware, sondern in der Software-Pipeline, die sie ansteuert.
Praktische Bilanz für die 2026er Geräte am Markt
Die Geräte-Familie um den Snapdragon 8 Gen 4 ist breiter aufgestellt. Samsungs Galaxy S25-Linie (im DACH-Raum durchgängig mit dem Qualcomm-SoC ausgeliefert, anders als in einigen asiatischen Märkten), Xiaomis 15-Linie, OnePlus 13, ASUS ROG Phone 9, OPPO Find X8 Pro und Honor Magic 7 Pro nutzen die Qualcomm-Plattform. Die Geräte sind hinsichtlich Kamera-Hardware, Display und Software-Pflege sehr unterschiedlich, der SoC ist ein gemeinsamer Nenner.
Die Dimensity-9400-Familie ist schmaler, in Europa mit dem Vivo X200, dem OPPO Reno 13 Pro und einigen Honor-Modellen vertreten. Die Geräte sind in der Regel preislich attraktiver als die Snapdragon-Pendants — der Aufschlag von Qualcomm auf die Hersteller ist höher, was sich am Endkunden-Preis um 50 bis 100 Euro niederschlagen kann. Wer die SoC-Performance objektiv vergleicht und im Tagesgeschäft keine extreme GPU-Last benötigt, kann mit einem Dimensity-9400-Gerät spürbar günstiger ein technisch nahezu gleichwertiges Flagship bekommen.
Apple bleibt mit dem A18 Pro auf einer dritten Schiene, die sich nicht ohne weiteres in das Schema einordnen lässt. Die iPhone-16-Pro-Geräte sind in der CPU-Single-Core-Performance der unangefochtene Spitzenreiter — Geekbench-6-Werte über 3.400 Punkte sind regelmäßig, kein Android-SoC erreicht das. In der GPU-Performance haben Qualcomm und MediaTek aufgeholt; in der Multi-Core-Performance liegen die Android-Plattformen mit acht Cores naturgemäß vorn.
Ein Wort zur Samsung-Linie: Exynos 2500
Der Vollständigkeit halber: Samsung produziert mit dem Exynos 2500 weiterhin eine eigene SoC-Linie, gefertigt im 3-nm-Prozess der eigenen Foundry. Die Markt-Realität 2026 sieht so aus, dass der Exynos 2500 in der Galaxy S25-Linie für einige Märkte (insbesondere Südkorea und Teile Südostasiens) eingesetzt wird, in Europa aber durchweg der Snapdragon 8 Gen 4 verbaut wird. Die Performance-Lücke des Exynos zu den TSMC-gefertigten SoCs ist mit der aktuellen Generation kleiner als in den Vorjahren, in CPU- und GPU-Benchmarks aber weiterhin sichtbar — etwa 10 bis 15 Prozent unter dem Snapdragon. Für DACH-Kunden ist die Frage akademisch; sie bekommen den Qualcomm-Chip.
Was bleibt
Die SoC-Schlacht 2025/2026 ist in vielerlei Hinsicht ein Gleichstand. Beide großen Android-Lieferanten fertigen auf demselben Prozess, beide liefern Roh-Performance, die für jede praxisrelevante Last reicht, beide haben spezifische Stärken und Schwächen, die sich in der Geräte-Implementierung weiter ausdifferenzieren. Die Tage, in denen man pauschal sagen konnte, der eine SoC sei besser als der andere, sind vorbei.
Was bleibt, ist die Plattform-Strategie der Hersteller. Qualcomm hat mit der Oryon-Architektur und der integrierten Modem-Lösung eine Position, die in den nächsten Generationen schwer einzuholen sein wird — die Software-Reife des Treiber-Stacks ist ein langjähriger Wettbewerbsvorteil. MediaTek hat mit der konsequenten ARM-Referenz-Strategie den Vorteil der Geschwindigkeit: Wenn ARM eine neue Cortex-Generation veröffentlicht, ist MediaTek meist zuerst am Markt, ohne den eigenen Architektur-Entwicklungszyklus stemmen zu müssen. Welche Strategie sich langfristig durchsetzt, hängt weniger von einzelnen Generationen ab als von der Frage, wie sich die Foundry-Kapazität bei TSMC und das ARM-Lizenzmodell in den kommenden Jahren entwickeln. Beides ist 2026 in Bewegung. Beobachten wir es.